Restwärme

Sprache, Gesang, Singende Säge: Nessi Tausendschön
Flügel, Keyboard, Gesang: Marcus Schinkel
Bass & Gesang: Ulla Oster
Schlagzeug, Glockenspiel, Gesang: Martell Beigang

Nessi Tausendschön gab ihrem  Programm den Titel "Restwärme", aber ein Kollege, der hier nicht genannt werden will, riet ihr zu einem positiveren Titel, Restwärme klänge nach kurz vor dem Supergau. Aber Nessi sagte sich, immerhin ist es dann VOR dem Supergau und nicht danach, es gibt immer etwas Herrliches zu entdecken im Leben. Ein Glas ist halb leer oder halb voll. Selbst wenn das Morgengrauen so ist, wie es heißt, beginnt doch wieder ein neuer Tag. Und es sind ja auch die kleinen Dinge, die glücklich machen.wie z.B. die Musik, Literatur, Freundschaft, oder Sportarten wie Nordic Fucking oder Mushroom-Searching.


Mit wunderbaren Musikern hat Nessi nun ein Programm auf die Beine gestellt, das nur als "akustischer Honig" bezeichnet werden kann. Und deshalb lautet der Untertitel des Programms auch genauso. Es wird beschrieben, wie Frauen klammern, der Mond wird besungen und die modernen Zeiten und natürlich auch das ewige Thema, die Liebe. Alles Themen von bestürzender Positivität, die emotionale Frustbeulen an der Taille packen und so lange schütteln und sie dann an den Rand des Abgrunds tanzen, bis sie wie Seifenblasen im Wind an den Klippen der Herrlichkeit zerschellen.

In diesem nagelneuen Programm gibt Nessi die eloquente Entertainerin. Gute Musik mit Elementen aus Pop und Jazz, Chanson und Zirkusmusik, Blues und Weltmusik verbindet sie mit ihren originellen Moderationen und Geschichten und bereitet so dem Publikum einen unvergessenen Abend.

Presse:



Kölnische Rundschau

Da hat sich eine den richtigen Künstlernamen ausgesucht: Das Tausendschön ist laut Lexikon ein "Gänseblümchen mit gefülltem Köpfchen". Und ein solches kann man Nessi Tausendschön wahrhaftig attestieren. Ihre poetischen Texte sind von unverwechselbarem Charme, absurdem Witz und subtiler Ironie, die souverän mit der Erwartung des Publikums spielt.
Dazu kommt eine elegante, flirrende Interpretation von hoher Musikalität - kein Wunder also, dass die in Köln lebende Sängerin und Kabarettistin in ihrer fast 20-jährigen Karriere vielfach preisgekrönt wurde, unter anderem mit dem "Deutschen Kabarettpreis" und dem "Salzburger Stier". In der Comedia hob sie jetzt an zwei Abenden ihr neues Soloprogramm "Restwärme" aus der Taufe, mit dem sie und ihre famose Band dem Publikum "akustischen Honig" verabreichen. Wer Nessis frühere Programme "Frustschutz" oder "Brennende Betten" kennt, der weiß, dass diese scheinbar süße, romantisch-weibliche Geste unvermittelt ins Abgründige, Schwarzhumorige kippen kann. Lieder über den Mond, den bleichen Gesellen? Schnurren aus dem Tourneeleben? Liebeslieder? Aber ja, alles da. "Auch wenn du gehst" verwandelt sanft den Schmerz des Verlassens in den Willen zur Freundschaft. "Ich bin niemals ganz allein" (aus "Frustschutz") besingt neben dem Bekenntnis zum Gefühl auch die Vorzüge der Freiheit ("nur alleine bin ich frei"), und "bitte verzeih mir" deunziert demütig-weibliche Verhaltensmuster mit einer bösen Pointe. "Frauen-Trash" nennt Nessi selbstironisch diesen Block, der sogar mit einer aparten Theorie für das gefürchtete "Klammern" der Frauen aufwartet: Nur so nämlich werde der Fortbestand der Gattung gesichert. Über sich selbst macht sich Nessi keine Illusionen. "Güte und Mütterlichkeit" spüre ich nur beim Marmeladeeinkochen, behauptet die selbsternannte "Konifere auf dem Gebiet des depressiven Liedguts", die nichts weniger als "die Welt verbessern" möchte. Für zweieinhalb Stunden gelingt ihr das fabelhaft mit ihren Musikern Marcus Schinkel (Piano), Ulla Oster (Bass) und Martell Beigang (Schlagzeug). Die Lieder sind von mitreißend jazzigem Groove; sie durchmessen stark und zart, agressiv und komisch einen Kosmos der subtilen Wahrnehmung, in dem sich jeder wiederfindet, der noch nicht "immun gegen Verletzungen" ist.